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Hepatitis B

Hepatitiden – Hepatitis A, B und C

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In Europa wird das Hepatitis B Virus am häufigsten durch sexuellen Kontakt übertragen, danach über Blut und Blutprodukte. Durch die immunologischen Abwehrvorgänge des Wirtskörpers wird die Leberzelle geschädigt. Chronische Infektion bedeutet eine chronische Leberentzündung. Die chronische Hepatitis B ist neben der chronischen Interner Link Hepatitis C die wichtigste Ursache für Leberzirrhose und Leberkrebs. Die Hepatitis B ist behandelbar, aber nur in 10-15 % der Fälle kommt es zu einer vollständigen Heilung.

Kapitelübersicht

Erreger

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) ist ein umhülltes DNS-Virus (Viren, die Desoxyribonukleinsäure als Erbmaterial verwenden und diese auch in die Viruspartikel verpacken.), das sich ausschließlich in der Leberzelle vermehrt. Außerhalb des Körpers ist es nur wenige Stunden in feuchtwarmem Milieu haltbar, unter besonders günstigen Bedingungen bis zu 7 Tage, bei Sonnenlicht und Austrocknung stirbt es sofort ab.

Übertragung

Der wichtigste Übertragungsweg in Europa ist der sexuelle Kontakt, danach über Blut und Blutprodukte. Das Virus ist in allen Körperflüssigkeiten enthalten, am stärksten konzentriert im Blut. Somit ist bei Blut zu Blut Kontakt (Blutprodukte, verunreinigte Nadeln und Spritzen) das Risiko am größten.

In der „Dritten Welt“ geschieht die Übertragung am häufigsten über den Geburtskanal.

Die unversehrte Haut bildet eine Barriere, d.h. es müssen kleine Haut- / Schleimhautverletzungen vorliegen, in die infiziertes Blut, Speichel, Samenflüssigkeit usw. eindringen können. Betroffen sind demnach insbesondere Fixer und Tropenreisende, darunter besonders Sextouristen, Menschen mit risikoreichem Sexualverhalten, z. B. männliche Homosexuelle oder häufig wechselnden Sexualpartnern.

Risiken bestehen auch beim Tätowieren und Akupunktieren mit unsterilen Mehrfachnadeln sowie beim Piercen. Die Übertragung durch Bluttransfusionen spielt inzwischen eine untergeordnete Rolle.

Epidemiologie

(Epidemiologie = Verbreitung)

Weltweit sind 5,4 Mio. Menschen infiziert, 1 Mio. stirbt jährlich daran. In der BRD macht die Hepatitis B ca. 45 % aller Hepatitiden aus, pro Jahr infizieren sich 7,3 / 100.000 neu, dabei werden nur 20-40 % aller Fälle erfasst. Die Durchseuchung in der Normalbevölkerung liegt bei 5 %, bei i.v.-Drogenabhängigen demgegenüber bei 30 %.

In den 80-er Jahren kam es zu einem Absinken der Zahlen aufgrund der Definition safer sex-Kampagnen zur Interner Link HIV-Prävention. Die zweitgrößte Gruppe sind Reisende aus den Tropen und Sextouristen, das sind etwa 1000 Fälle pro Jahr. Gefährdet sind Dialysepatienten und Organempfänger.

Für medizinisches Personal gilt die Hepatitis B als Berufskrankheit.

Inkubationszeit

(Inkubationszeit beschreibt die Zeit zwischen der Infektion mit einem Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome.)

Die Inkubationszeit beträgt bis zu 6 Monaten. Erkrankte sind häufig nach Abklingen der akuten Symptome über Monate Virusträger und damit weiterhin ansteckungsfähig.

Symptome

60-65 % der Erkrankungen verlaufen ohne Symptome.

Bei 35 % kommt es zu einem akuten Krankheitsbild, ähnlich der Hepatitis A, seltener mit Fieber, hingegen eher mit Hautveränderungen einhergehend. Bei weniger als 1 % der Fälle kommt es zu einem fulminanten (tödlichen) Verlauf.

Krankheitsverlauf

Die Leberzelle wird nicht durch das Virus selbst geschädigt, sondern durch die immunologischen Abwehrvorgänge des Wirtskörpers.

Immungeschwächten Personen

Bei immungeschwächten Personen wie beispielsweise bei HIV-Infizierten und Fixern ist daher die Zellschädigung im akuten Stadium gering und der Verlauf leicht, dafür aber die Chronizität erhöht (chronisch = sich langsam entwickelnde, lang andauernde Erkrankungen).

Immunologisch gesunde Patienten

Während bei immunologisch gesunden Patienten nur 3-10 % eine chronische Hepatitis B erwerben, tun dies 20 % bei Immungeschwächten, sogar 30 % der Dialysepatienten und 50 % der Organempfänger.

Infektion bei der Geburt

Erfolgt die Infektion gar schon bei der Geburt oder in den ersten beiden Lebensjahren, dann kommt es zu überhaupt keiner akuten Erkrankung, dafür aber in 90 beziehungsweise 60 % zu einem chronischen Verlauf. Beim chronischen Verlauf bleibt der Erkrankte Virusträger und dementsprechend ansteckend.

Langzeitschäden

Die chronische Infektion bedeutet eine chronische Leberentzündung, die nach ca. 20 Jahren zum Teil in eine Zirrhose (bindegewebige Degeneration der Leber) übergeht. Des weiteren wird beim chronischen Verlauf das Virusgenom in die Wirtszelle integriert und daraus kann nach 10 bis 50 Jahren ein Leberkrebs entstehen. (Das Genom enthält die Informationen die für die spezifischen Eigenschaften des Virus notwendig sind.)

Die chronische Hepatitis B ist neben der chronischen Hepatitis C die wichtigste Ursache für Leberzirrhose und Leberkrebs.

Vorbeugende Maßnahmen

Keine Isolierung der Erkrankten, nur Schutz für Pflegepersonal (Handschuhe, Schutzkleidung, Desinfektion); Definition safer sex und Definition safer use sind zwingend.

Risikogruppen entsprechen 4 % der Bevölkerung mit einem 10-fach erhöhten Risiko, diese machen 30 % der Erkrankungen aus. Für exponiertes Personal (exponiert = der Gefahr ausgesetzt), Risikogruppen, Familienangehörige und Kleinkinder wird die aktive Schutzimpfung empfohlen.

Impfschutz

Der aktive Impfstoff wird gentechnologisch hergestellt, es müssen drei Injektionen im Abstand von 4-6 Wochen bzw. 6-12 Monaten durchgeführt werden, danach muss der Impferfolg kontrolliert werden, d. h. ob genügend Antikörper gebildet wurden, sonst eventuell weitere Nachimpfung. Weitere Kontrollen nach 5 Jahren, dann eventuell Auffrischung.

Behandlung

Seit 1991 wird die chronische Hepatitis B mit Interferon alpha behandelt. In den chronischen Fällen kommt es bei 40-50 % zur Normalisierung der Transaminasen (substratspezifische Enzyme), zum Rückgang der Entzündungsaktivität und damit zu einer Verbesserung der Gesamtprognose, d. h. 50 % sind Responder (Antwortende, Reagierende).

In 10-15 % kommt es zu einer kompletten Eliminierung (Vernichtung) des HBV, was einer vollständigen Heilung entspricht.

Weiterhin werden Therapieversuche mit Nukleosidanaloga durchgeführt, die aus der AIDS-Forschung stammen: Lamivudin und Famciclovir. In Studien zeigten sich gute Ergebnisse.

Weiterführende Links

Stand: Januar 2007

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