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Tipps für Eltern, Lehrer und Helfer

Was Bezugspersonen noch wissen sollten.

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Junge Menschen experimentieren im Prozess des Heranwachsens mit diversen Rauschmitteln. Um als Eltern / Bezugsperson angemessen reagieren zu können, reicht es nicht, über Stoffe und Wirkungen Bescheid zu wissen. Gerade wenn es um das „Ausprobieren“ oder „gelegentliches Konsumieren“ geht, gilt es Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen zu entwickeln.

Kapitelübersicht

Ideal und Wirklichkeit

Gerade mit radikalen Verboten wirkt die Erwachsenenwelt in höchstem Maße unglaubwürdig, weil sie ja selber (für Kinder und Jugendliche gut sichtbar) mit diversen Rauschmitteln überaus locker umgeht. Ein Blick in den eigenen Keller, in den Medikamentenschrank oder den Aschenbecher wird dies in den meisten Fällen eindrucksvoll bestätigen. Kinder und Jugendliche nehmen dies als Alltagsrealität wahr.

Testen und Probieren

Eltern müssen neugierige Kinder, die etwas erleben und ausprobieren wollen, akzeptieren. Dazu gehört früher oder später mit großer Wahrscheinlichkeit auch das Ausprobieren verschiedener Suchtstoffe. In den meisten Fällen fängt das mit Zigaretten und Alkohol an und setzt sich mit Interner Link Cannabis-Produkten, Schnüffelstoffen und weiteren „Modedrogen“ (früher Interner Link LSD, heute u. a. Interner Link Ecstasy) fort, je nachdem, welche Stoffe während der „Pubertät“ gerade „in“ sind.

Die Gefahren dieses „Ausprobierens“ liegen nur zum geringen Teil in der jeweiligen Droge selbst oder im Konsum dieser Drogen. In einem viel höheren Ausmaß sind sie in der Befindlichkeit der jungen Menschen begründet, in deren Lebenssituation und ihren Möglichkeiten, diese zu bewältigen. Kurz: Im Wohl- oder Unwohlfühlen der Kinder; im Verhältnis Sicherheit zu Unsicherheit und Geborgenheit zu Einsamkeit.

Droge und Zeitgeist

Jede Epoche hat auch seine spezifische Droge. Die derzeitige Epoche ist für junge Menschen durch Schnellebigkeit, Leistungsdruck, Konsumrausch geprägt. Diese Realitäten leben wir als Vorbilder unserer Nachwuchsgeneration auch vor. Viele entsprechen dem durch übertriebenes „nach-vorn-“ oder „nach-oben-Streben“, durch „immer-fit-Sein“ oder „ständige Dynamik“.

Party-, Designerdrogen

In diese Welt passen Ecstasy und die andern Stoffe, die hier als Partydrogen bezeichnet worden sind, weil sie scheinbar einen Teil der dazu nötigen Voraussetzungen schaffen. Sie machen fit, wenn der Körper an sich schon lange „fertig sein würde“, sie „schaffen ein Zugehörigkeitsgefühl“, wo Individualität längst nicht mehr nur Selbstverwirklichung, sondern auch Einsamkeit bedeutet.

Gegen den Strom

Andere Kids verweigern sich diesem Zeitgeist von vorn herein, weil sie sehr genau spüren, dass sie diesem Tempo und Druck nicht gewachsen sind. Sie entwickeln vielfach Verweigerungs- und Ausbruchstrategien. Diese drücken sich zunächst in Form von Protest aus, sind letztendlich aber nicht selten Hilferufe. Diese jungen Menschen versuchen, im Rahmen ihrer Handlungsmöglichkeiten, sich der negativen Lebenssituation zu entziehen. Dazu nutzen einige Alkohol, aber auch Medikamente wie Rohypnol oder Opiate wie Interner Link Heroin.

Das Lebensgefühl beherrschen

In allen Fällen verstärken die Stoffe vorhandene Grundstimmungen und versetzen die Konsumenten / -innen zumindest vorübergehend in eine Stimmung, die ihnen das jeweilige Dasein erheblich erleichtert oder verschönert.

Die Möglichkeit, Definition Drogen so zu „designen“, wie man sie gerade haben möchte, um damit jedes angestrebte Lebensgefühl sofort herbeizurufen, ist durch die große Variationszahl der Designer-Drogen nur scheinbar geschaffen. Durch die synthetische Produktionsweise sind die Möglichkeiten, Stoffe so zu kreieren, wie man sie gerade braucht, zwar enorm gestiegen, dennoch gilt auch hier immer noch der Grundsatz, daß „gute Gefühle“ nicht mit „Drogen herbeigezaubert“ werden können, sondern auch Designer-Drogen immer nur sowieso vorhandene Grundstimmungen unterstützen und verstärken können.

Dies stellt auch an Erzieher / -innen, Lehrer / -innen, Helfer / -innen sowie Eltern und Multiplikatoren / -innen in Einrichtungen der Jugend- und Suchthilfe erweiterte Anforderungen an Wahrnehmnung und Umgang mit dem Thema „Suchtstoffkonsum“.

Verhaltensempfehlungen für Bezugspersonen

Kreativität und Aktivität steht bei Kindern immer noch sehr hoch im Kurs. Zeitmangel und Stress der Erziehenden führen jedoch nicht selten zur Einwegkommunikation, zu Passivität und zum Konsumverhalten der eigenen Kinder. Wir Erwachsene können unseren Alltag und den unserer Kinder lebendig gestalten. Erwachsene haben jedoch auch eine eigene, eingeschränkte Sicht vom Leben und leben den jungen Menschen diese Sichtweisen vor.

Werte und Außenbild

Wir machen oft „gute Mine zum bösen Spiel“, sind fröhlich und locker, obwohl wir doch eigentlich müde sind. Wir senden nach Außen Signale der Fitness, Aktivität und Gesundheit, obwohl diese nur noch durch Medikamente einigermaßen aufrecht erhalten werden können. Wir vermitteln Werte vom ständigen „höher, schneller, weiter“ und lassen Gefühle von Muße, Schlappheit, Müdigkeit, Nichtstun usw. weder für uns, noch für unsere Kinder zu.

Sind diese Werte richtig? Sind sie erreichbar? Überfordern sie unsere Kinder nicht? Dies sind wichtige Fragen, die sich Eltern und Erzieher / -innen zwangsläufig immer wieder stellen, bei deren Beantwortung meist aber die Kinder nicht einbezogen werden.

Tipps für Bezugspersonen

Zwischen Ignoranz und Überbewertung

Wenn Sie die Gewissheit oder das Gefühl haben, dass Ihre Kinder Ecstasy konsumieren, gilt es zunächst einmal Ruhe zu bewahren und nicht in Panik auszubrechen. Probieren und gelegentlicher Konsum sind noch lange keine Definition Abhängigkeit oder Sucht. Es ist allerdings ebensowenig angebracht, den konkreten Konsum zu verharmlosen oder nicht darauf zu reagieren. Es sollte keinesfalls so getan werden, als ob der auftretende Suchtstoffkonsum nicht wahrgenommen würde.

Miteinander sprechen

Zunächst sollte zumindest über Risiken gesprochen werden und über Möglichkeiten, diese zu verringern. In einem vertrauensvollen Verhältnis, wofür die Basis vorher gelegt sein muss, wird sicher auch über Konsumgründe und Motive etwas zu erfahren sein. Diese ermöglichen es fast immer, weitere gemeinsame Schritte zu überlegen, Alternativen zu entwickeln und Wege zu gehen, in deren Verlauf der Suchtstoffkonsum keine bedeutende Rolle spielt. Oft kann es sinnvoll sein, gemeinsam einen Regelrahmen oder einen verbindlichen Aktionsplan für einen übersichtlichen Zeitraum festzulegen.

Hilfe holen

In jedem Fall kann zu jeder Zeit professionelle Hilfe bei einer der naheliegenden Drogenberatungsstellen in Anspruch genommen werden (siehe auch die Adressenliste im Anhang). Die Drogen- und Suchtberatungsstellen können auch in Anspruch genommen werden, wenn es noch kein Abhängigkeits- oder Suchtproblem gibt. Inzwischen verfügen fast alle Beratungsstellen über Kompetenz und Erfahrungen bezüglich dieser relativ neuen Stoffe sowie deren spezifische Gefahren und Risiken. Sollte eine Beratungsstelle nicht konkret weiterhelfen können, so vermittelt sie auf alle Fälle in die nächste Beratungsstelle, die weiterhelfen kann. Scheuen Sie sich nicht, Beratungsstellen aufzusuchen, die auch von Konsumenten anderer Suchtstoffe (Interner Link Kokain, Interner Link Heroin usw.) aufgesucht werden. Diese verfügen in der Regel über einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz, der sich auch auf das Thema Ecstasy und Ihre Fragen beziehen lässt.

Diese Empfehlungen verlangen ein Höchstmaß an Energie- und Zeitaufwand von allen Beteiligten.

Suchtprävention

Die meisten Elemente sind zentrale Bestandteile eines humanen und sozialen Miteinanders zwischen Menschen und Generationen. Ferner wird klar, dass vieles auf Kommunikation und Interesse für einander abstellt. Dies macht deutlich, dass Interner Link Suchtprävention immer nur als integrierter Bestandteil verschiedener Lern-, Erziehungs- oder Betreuungsprozesse sinnvoll ist und als „isolierte Drogenvorbeugung“, in dessen Rahmen man sich einmal theoretisch mit dem Thema beschäftigt, kaum Wirkungen entfalten kann. Insofern ist es eindeutig zu kurz gegriffen, wenn der / die Drogenspezialist / -in eine Schulklasse einmal für zwei Stunden aufsucht und etwas über „Drogen“ und deren Problematik erzählt. Besser wäre es, wenn dieser Teil fächerübergreifend und in Permanenz Bestandteil des Unterrichts oder des Bildungs,-Erziehungs- oder Betreuungsprozesses wäre.

Probleme für Prävention und Drogenhilfe

Aus dem Thema Ecstasy resultieren für die Drogenhilfe Probleme, die sich auf folgenden Ebenen ausdrücken:

Neue Wege

Aufgrund dieser vielen Probleme ist die Suchtprävention und auch die Drogen- und Suchthilfe gezwungen, neue Wege zu gehen. Im Rahmen der Prävention wird zur Zeit verstärkt mit Informationsbroschüren, Beipackzetteln, Flyern, Informationsständen auf Raves sowie mit groß angelegten Definition Safer Use-Aktionen und einem sogenannten „Qualitäts-Check“ gearbeitet.

Die ambulanten Einrichtungen der Drogenhilfe sind dabei, die bisher bekannten spezifischen Aspekte der Problematik um den Ecstasy-Missbrauch in bestehende Arbeitskonzepte zu integrieren. Ganz entscheidendes Gewicht wird auch dabei, sowohl im Bereich Prävention / Aufklärung / Information als auch im Bereich Hilfe, auf die aus der „Szene erwachsene“ Selbsthilfe gelegt.

Selbsthilfe

Diese Ecstasy-Selbsthilfegruppen sind in der BRD bisher nicht sehr weit verbreitet. Dennoch gibt es ein Beispiel aus Berlin, Externer Link Eve&Rave e.V.

Ein weiteres Beispiel für die Weiterentwicklung klassicher Drogenhilfe, die das Thema Ecstasy mitaufgenommen hat, ist die Externer Link DROBS Hannover , (Odeonstraße 14, 30159 Hannover; Telefon: 05 11 / 70 14 60).

Internationale Initiativen

International sind die Initiativen aus Holland (Amsterdam Uetrecht) und England (Manchester) besonders erwähnenswert. Das LIFE-LINE-Projekt aus Manchester versucht, die Ecstasy-Thematik in einen bestehenden Präventions- und Hilfsansatz zu integrieren.

Wer Fortbildung zum Thema Interner Link HIV und AIDS, Interner Link Hepatitis, aber auch Drogen, Sucht und Designer-Drogen und Ecstasy in Anspruch nehmen möchte, kann sich entweder über bestehende Angebote beraten lassen oder aber direkt beim Externer Link  HIDA (Hamburger Fortbildungs-Institut Drogen und AIDS) Fortbildung in Anspruch nehmen.

Weiterführende Informationen

Stand: Juli 2006

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